12.02.2018

Internationaler Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten: ZIF-Workshop und Interview mit der UN-Sondergesandten Virginia Gamba

Gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt hat das ZIF heute zu einem internationalen Workshop zum Thema "Children and Armed Conflicts & Women, Peace and Security" eingeladen. Für die nächsten zwei Tage in Berlin diskutieren Vertreterinnen und Vertreter verschiedener nationaler und internationaler Organisationen wie der UN, der Crisis Group oder einer Vielzahl von Nicht-Regierungs-Organisationen zu den aktuellen Herausforderungen in diesem Bereich.

Passend zum Datum, dem Internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten, reist auch die Sondergesandte der UN für Kinder in bewaffneten Konflikten, Virginia Gamba, nach Berlin. Wir konnten ihr am Rande der Veranstaltung einige Fragen zum Thema stellen.

 

ZIF: Was sind die größten Erfolge bislang?

SRSG: Das Mandat “Children and Armed Conflict” wurde 1996 beschlossen und ermöglicht der UN

  • Informationen zu sammeln und zu berichten, inwiefern Kinder durch bewaffnete Konflikte betroffen sind;
  • Konfliktparteien zu benennen, die Kinder rekrutieren und ausnutzen, sie töten, missbrauchen, entführen und Schulen oder Krankenhäuser angreifen;
  • diese Informationen zu nutzen, um Kinder zu schützen, in Dialog zu treten mit den Truppen oder bewaffneten Gruppen, um Verabredungen zu treffen und Gewalt gegen Kinder zu beenden und vorzubeugen.

Es besteht nun weltweiter Konsens darüber, dass Kinder nicht rekrutiert und als Kindersoldat/innen durch staatliche Armeen in Konfliktgebieten eingesetzt werden sollen. Über 125.000 Kindersoldat/innen wurden freigelassen, 29 Aktionspläne unterzeichnet und es gibt eine starke internationale Bewegung, den Schutz der Kinder zu verbessern.

ZIF: Welche Herausforderungen sehen Sie bei der Umsetzung Ihrer Agenda?

SRSG: Kinder in Konfliktgebieten sind immer noch unvorstellbarer Gewalt ausgesetzt. Unsere größte Herausforderung ist, dies zu ändern, ob in Syrien, im Irak, in Jemen, Südsudan, Nigeria, Somalia, der Demokratischen Republik Kongo, Afghanistan oder anderen Ländern. Wir vergessen oft, dass Kinder die Mehrheit der unter den Konflikten leidenden Bevölkerung stellen. Es gibt bereits viel internationales Engagement, aber es bleibt viel zu tun - gewalttätiger Extremismus, massenhafte Vertreibung von Kindern, Rekrutierung und Einsatz von Kindersoldat/innen, Angriffe auf Schulen sind einige unserer aktuellen Herausforderungen.

ZIF: Was sind Ihre Prioritäten?

SRSG:

  1. Stärker mit nicht-staatlichen bewaffneten Konfliktakteuren in Kontakt treten, damit wir nicht nur die Gewalt beenden, sondern ihr vorbeugen und den Kindern Wiedereingliederung ermöglichen. Es ist ein schwieriges Gebiet, aber wir können hier noch Fortschritte machen. Ein erfolgreiches Beispiel ist hier die Vereinbarung zwischen der kolumbianischen Regierung und den FARC.
  2. Mehr öffentliche Aufmerksamkeit gewinnen für das Thema. Unsere Kampagne „Children, Not Soldiers“ wirkte wie ein Katalysator für die Unterzeichnung und Umsetzung von Aktionsplänen gegen Kindersoldat/innen.
  3. Die Kooperation mit regionalen und subregionalen Organisationen ausbauen, denn sie spielen eine immer wichtigere Rolle bei der Friedenssicherung. Hier gilt es, einen gemeinsamen Ansatz zu entwickeln, Erfahrungen zu teilen und regionale Ownership zu fördern – ein Beispiel ist unser Beitrag zu den NATO child protection policy guidelines, die Standards für alle NATO Operationen setzen.
  4. Die Integration von ehemaligen Kindersoldat/innen fördern. Jedes Kind braucht nach der Freilassung körperliche und psychische Unterstützung, um die Langzeitfolgen der Gewalt zu verarbeiten und zu überwinden. Es braucht Zugang zu Bildung oder Ausbildung, um im zivilen Leben zurecht zu kommen. Reintegration bedeutet auch, mit den Communities zu arbeiten, um Stigmen abzubauen und Familien wieder zu vereinen. Wir sollten Reintegration zu unserer Priorität machen, indem wir eine langfristige, mehrjährige Finanzierungsmöglichkeit für die Wiedereingliederung von Kindern aufbauen – mit speziellem Augenmerk auch auf Mädchen. Die Kosten mögen hoch erscheinen, aber unbedeutend im Vergleich zur Hoffnung auf eine Zukunftsperspektive. Allen Kindern, die in bewaffneten Konflikten missbraucht wurden, sollten wir eine echte Chance bieten, sich eine Zukunft aufzubauen.

(sinngemäße und etwas gekürzte Übersetzung: ZIF)

Zum vollständigen Interview in englischer Sprache gelangen Sie, indem Sie in der Leiste am oberen Seitenrand auf die englische Flagge klicken. Ein offizielles Statement von SRSG Gamba wird heute außerdem auf dieser Seite online gestellt.

  • Fotos: ZIF